Distressed-M&A-Prozess: Offensives Vorgehen statt defensive Haltung

Aufgrund der aktuellen Wirtschaftslage sehen sich viele Unternehmen dazu veranlasst, Krisenszenarien auszuarbeiten, Kurzarbeit einzuführen und Investitionen zurückzustellen. Wer jedoch Frühwarnindikatoren ignoriert oder zu spät beachtet, riskiert in eine Unternehmenskrise zu geraten. So können die rückläufigen Umsätze rasch Liquiditätsengpässe hervorrufen und der Unternehmer sollte Themen wie Turnaround und einen möglichen Verkauf des Unternehmens auf seine Agenda aufnehmen. Sollte es in einer solchen Krisensituation zu einer M&A-Transaktion kommen, spricht man von einem Distressed-M&A-Prozess. Schematisch dargestellt sind folgende Aspekte von Bedeutung:

 1. Um die Lage einschätzen zu können, ist eine fundierte und umfassende Unternehmensanalyse durchzuführen, die mögliches Verbesserungspotenzial und Handlungsoptionen aufzeigen soll.

2. Der Distressed-M&A-Prozess muss in der Regel innerhalb von 3 bis 6 Monaten abgewickelt werden. Elementar sind dabei die Ressourcen und die zeitliche Verfügbarkeit der involvierten Parteien.

3. Die Kommunikation nimmt vor, während und nach dem Distressed-M&A-Prozess einen hohen Stellenwert ein. Dabei gilt es, die optimale Steuerung der Informationen an die Anspruchsgruppen sicherzustellen. Wichtig ist zudem eine hohe Transparenz – eine Verschleierung der tatsächlichen Situation führt nämlich eher ins Abseits.

4. Der erfahrene M&A-Berater wird wissen müssen, welche Informationen zu welchem Zeitpunkt bekannt zu geben sind, ohne die Verhandlungssituation des Verkäufers zu schwächen. Erfahrung braucht es auch, um den Distressed-M&A-Prozess geschickt zu führen und koordinieren, damit der zur Verfügung stehende enge Zeitrahmen möglichst optimal genutzt werden kann.

5. Zu einem geordneten und effizienten Prozess gehört auch die rasche Identifikation potenzieller inländischer und ausländischer Interessenten. Nützlich ist dabei, auf eine weltweite Allianz mit hoher Reaktionsfähigkeit zurückgreifen zu können und die wichtigen Investoren sowie die geeigneten Private-Equity-Häuser im Turnaround-Umfeld zu kennen.